LESUNG: MITHU SANYAL

FOTOS: Guido Schiefer

Identitätssuche im Schleudergang: Weise und witzig. Mithu Sanyal liest im FWT: aus ihrem Roman "Identitti".

Was für ein Skandal: Prof. Dr. Saraswati ist WEISS! Schlimmer geht es nicht. Denn die Professorin für Postcolonial Studies in Düsseldorf war eben noch die Übergöttin aller Debatten über Identität – und beschrieb sich als Person of Colour.
Und nun das. Sofort beginnt das Netz, die Professorin zu jagen, fordert ihre Entlassung – ihre Studentin Nivedita aber stellt Fragen. Intimster Art. Sich selbst und ihrer Professorin. Nivedita, geboren in Deutschland, hat einen indischen Vater und hat sich immer mit der Professorin identifiziert.
Identität, was ist das überhaupt? Als würden Sally Rooney, Beyoncé und Frantz Fanon zusammen Sex Education gucken, beginnt eine Jagd nach „echter“ Zugehörigkeit.

Mithu Sanyal schreibt mit beglückender Selbstironie und befreiendem Wissen. „Was für eine gnadenlos witzige Identitätssuche, die nichts und niemanden schont“, schreibt Alina Bronsky über das Buch. “Man ist nach der Lektüre nicht bloß schlauer – sondern auch garantiert besser gelaunt“. Den Schleudergang dieses Romans verlässt niemand, ohne selbst verändert zu sein.

Mithu Sanyal wurde 1971 in Düsseldorf geboren und ist Kulturwissenschaftlerin, Autorin, Journalistin und Kritikerin. 2009 erschien ihr Sachbuch "Vulva. Das unsichtbare Geschlecht", 2016 "Vergewaltigung. Aspekte eines Verbrechens."

 

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