MUTTERSPRACHE MAMELOSCHN

Von Marianna Salzmann | Publikumspreis der Mülheimer Theatertage 2013
Nominiert für den Kölner Theaterpreis 2015

Fotos: ©MEYER RECORDS

Drei Frauen, drei Generationen, eine Familie. Großmutter Lin, die das KZ überlebte, bekannte sich als überzeugte Kommunistin zur DDR und ging als Sängerin jüdischer Lieder auf große Auslandstourneen. Ihre Tochter Clara konfrontiert Lin noch im Erwachsenenalter mit dem Vorwurf, sie als Kind um der Bühnenkarriere willen vernachlässigt zu haben. Enkelin Rahel will, wie ihr Bruder vor ihr, die Familie verlassen und ins Ausland gehen. Im Leben der Drei wiederholen und variieren sich gesellschaftliche Lebensumstände: Was hieß es, vor 50 Jahren in der DDR als Jüdin zu leben, und was bedeutet es im Deutschland von heute? In der Familie kreisen die Konflikte um Unausgesprochenes, um Verletzungen, um Enttäuschungen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Mameloschn ist das jiddische Wort für Muttersprache, und die Muttersprache erweist sich für Lin, Clara und Rahel als eine ewige Fremdsprache der Liebe, die nicht vor dem Missverstehen bewahrt.

Mit Susanne Flury, Anja Jazeschann, Mona Mucke | Inszenierung und Ausstattung Kay Link

Vorstellungsdauer ca. 100 Minuten. Keine Pause
Premiere 29. Oktober 2015

Die nächsten Vorstellungstermine / Kartenbuchung

Presse

„Familiäre Verbundenheit und individuelle Lebensabgrenzung liegen (...) miteinander im Streit, Zuneigung und Abwehr bekriegen sich. (...) Kay Link lässt seine famosen Darstellerinnen ungemein typengerecht agieren,
wobei nur Clara (bereits durch ihr Kostüm) reichlich jung erscheint, eher Schwester als Mutter Rahels. Aber eine erste leichte Irritation verflüchtigt sich bald, zumal Anja Jazeschann ihre Rolle intensiv und stimmig ausfüllt. Susanne Flury umreißt die Figur der Lin mit gluckenhafter, dampfender Fraulichkeit, gewürzt mit einigem Diven-Aplomb; Mona Mucke (Rahel) ist ganz und gar jugendliches Ungestüm. Ein theatralisch starker Abend. Stark inszeniert, stark gespielt.“ theater:pur

"Kay Link hat in seiner Inszenierung drei wunderbare Darstellerinnen, die in einem beeindruckenden Bühnenbild die Höhen und Tiefen von Familienbanden ausloten. Wider Erwarten kommt das bei Salzmann nicht mit bedrückender Schwere daher, sondern mit viel Witz, mit der Lust an pointierten Dialogen." meinesuedstadt.de

„Die Darstellung der Beziehungen ist die Stärke des Stückes: Es erzählt von den Fesseln der Familiengeschichte, von der Suche nach persönlicher Freiheit, vom Kampf Jugend gegen Alter und von den sich dabei wiederholenden Verhaltensmustern. Zum anderen ist dieses Stück aber auch ein Stück über das Leben von Juden in Deutschland nach 1945. Dabei wird durch das Erzählen jüdischer Witze geschickt mit Klischees gespielt.“ koeln-nachrichten.de

"In 'Muttersprache Mameloschn' wird der Zuschauer Zeuge dieser Suche und ist unheimlich nah dran. An all den Verzweiflungen, Verletzungen und dem Kampf der Protagonistinnen. Der Zusatz 'Mameloschn', übersetzt übrigens ebenfalls 'Muttersprache', zeigt schon im Titel: dieses Stück verwebt familiäre und religiöse Identität, die getrennt voneinander nicht denkbar sind. (...) Ein Theaterabend, der jüdische Identität heute abbildet." Domradio

"Susanne Flury als Großmutter Lin verteidigt mit trotzigem Stolz ihre DDR-Vita und gibt sich wunderbar divenhaft als Königin ohne Reich. Anja Jazeschann spielt mit eindringlichem Ernst die Zerissenheit einer Mutter (...). Und dann ist da noch die junge Mona Mucke, die sich als Rahel mit Mut zur Offenheit und jugendlicher Chuzpe dem Schmerz der Familie stellt. Am Jom-Kippur-Fest, dem jüdischen Tag der Versöhnung, schließt sich der Reigen. Ein hoffnungsvoller Schluss, bei dem zugleich deutlich wird, dass die Suche nach Heimat und Identität nie endet." Kölner Stadt-Anzeiger

"Kay Link inszeniert das Stück mit viel Sinn für die mehrdeutigen Beziehungen zwischen den Figuren. (...) Ein unterhaltsamer und berührender Abend." StadtRevue

"Regisseur Kay Link inszeniert den Konflikt zwischen den Frauen und Generationen solide (...) und mit Vertrauen in Salzmanns Text. Ein Vertrauen, das 'Muttersprache Mameloschn' – Mameloschn ist das jiddische Wort für Muttersprache – zurückzahlt. Denn Salzmann stellt erhellende und wichtige Fragen nach der jüdischen Identität der Post-Holocaust-Generationen." choices

"Die drei Darstellerinnen spielen stark: Susanne Flury gibt die leicht ausgeflippte, schräge und energiegeladene Großmutter, der dann aber doch irgendwann die Kräfte schwinden. (...) Anja Jazeschann verkörpert eine adrette Frau mittleren Alters, die von ihrem Jüdischsein nichts wissen will, dann aber doch ganz jüdische Mama ist, als sie ihr Kind nicht gehen lassen möchte. Mona Muckes Rahel ist, ganz altersgemäß, eine Figur auf der Suche, nach den Wurzeln, nach einem selbstbestimmten Leben und mit einer ganz großen Sehnsucht nach Heimat. (...) Den Publikumspreis in Mülheim hat Muttersprache Mameloschn nicht zu Unrecht bekommen. Autorin Marianna Salzmann schafft es, eine bestimmte familiäre Konstellation auf den Punkt genau zu treffen und zugleich über die Thematik des Jüdischseins in einer deutschen Gesellschaft beinahe nebenbei einen bedeutenden politischen Horizont aufzuspannen. Die Inszenierung von Kay Link im FWT wurde für den Kölner Theaterpreis 2015 nominiert. Der Besuch lohnt sich, gerne auch mit der ganzen Familie." kultura extra

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